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Die Historie der Stiftung

Was mich dazu bewog, eine Stiftung zu gründen,
von Dr. Peter-Michael Schmidt, Hamburg

Welche Motive bringen jemanden dazu, vierzig Jahre nach seinem Aufenthalt als Schüler des LEH Burg Nordeck eine Stiftung in´s Leben zu rufen, die es sich zum Ziel setzt, die sozialen, musischen, kulturellen und sportlichen Begabungen der dort lebenden Jungen und Mädchen zu fördern?

Liegen diese Motive begründet in der steten Suche nach sozialer Identität, die sich häufig genug reduziert auf verzeihliche Eitelkeit, nimmermüdes Geltungsstreben oder die verständliche Sorge, in dem allseits bekannten, anderenorts geführten Goldenen Buch bilanzierter Guttaten eine Unterdeckung aufzuweisen?

Ist es die seltene Gelegenheit, dem Fiskus ein Schnäppchen zu schlagen und damit einen Teil zu zahlender Steuern solchen Zwecken zuzuführen, die subjektiv geeigneter scheinen als jene, die die jeweilige Regierungspolitik zu präferieren beliebt?

Oder gar ein neues Steckenpferd, von dem der Stiftende sich einen Ausweg aus drohender Alterslangeweile erhoffen mag?

Alles dies kann zutreffend sein und greift bei längerem Nachdenken doch zu kurz.

Die Jahre, die ich in Nordeck verleben durfte, habe ich über all die vergangenen Jahrzehnte hinweg als eine sehr glückliche und behütete Zeit in Erinnerung; und sie ist nach wie vor in mir lebendig. Auch heute noch - selbst unter Berücksichtigung eines veränderten Zeitgeistes - empfinde ich die Darstellung des Internats in Werbeprospekten oder seiner Web-Side nicht als heillos übertrieben, bar jeder Realität, sondern als durchaus authentisch. Was Wunder, prägt doch die dort beschriebene und erlebbare Natur des Standortes die im Landschulheim Lebenden; und ist diese doch im großen und ganzen dieselbe geblieben.

Nicht nur die wunderschöne Umgebung der Burg allein hat prägendes Flair. Es sind auch die dort lebenden und wirkenden Menschen, die ihr den eigentlichen Charakter verleihen, die Lehrer und Erzieher, die Schüler und, nicht zu vergessen, die vielen hilfreichen Hände aus Küche und Garten, aus den Werkstätten und dem Büro, die Menschen aus der Umgebung. Ein Konglomerat, dessen Elemente einander beeinflussen, dessen Teilmengen einander bedingen. Stimmt diese Mischung nicht, kann ein junger Mensch in einem - gleich welchem - Internat wohl auch sehr unglücklich sein....

Ich hatte Glück, die Mischung stimmte. Dieses Glück gipfelte in der wohl nicht ganz zufälligen Zuordnung meiner Person durch die Heimleitung in die Obhut Egon Trapps, der in dem unbezweifelten Ruf stand, selbst Schülern, die sich hartnäckigst pädagogischen Therapieversuchen widersetzten, ein Erziehungsprogramm zu verabfolgen, das genügend Chancen (mitunter auch die letzte) bot, derart strukturierte Geister auf einen tugendhaften Weg zurückzuführen. Teil solchen Programms war etwa auch der segensreiche Aufenthalt in frischer Luft, kombiniert mit sinnstiftender körperlicher Tätigkeit zum Wohle der Heimgemeinschaft., von Schülern verkürzt als Klein-Sibirien bezeichnet.

Natürlich konnte es nicht ausbleiben, daß wir die Toleranzgrenzen unseres Meisters erkundeten. Die Reaktion erfolgte - wie stets - promt: Die täglichen Wünsche zur guten Nacht - Herr Trapp verabschiedete sich von jedem per Handschlag gegen 21°° Uhr - entfielen dann für den jeweiligen Delinquenten. Am nächsten Morgen beim gemeinsamen Frühstück war bereits alles vergeben und vergessen. Nein, nachtragend war er nie. Darauf war Verlaß. Wie in allen Dingen.

Erzähle ich diese Anekdote heute, kommt es unweigerlich zu der Bemerkung: "Oh Gott, das war ja Liebesentzug". Stimmt. Und es wirkte. Wie Backpflaumen. Denn nur wo Liebe ist, wirkt auch der kurzzeitige Entzug.

Seine Kommentare, schriftlich zu den Zeugnissen formuliert, waren Legende. "Flapsig, unbekümmert und ausgesprochen faul - Mangelhaft", "Nur mit hängender Zunge" erreichte Micky gerade noch ein - "Schwach ausreichend", "Aus Bravo-Heftchen lassen sich geographische Kenntnisse nicht erweitern - Mangelhaft" zählten noch zu den eher harmlosen Varianten. Übelgenommen wurde es ihm nicht; wußte man doch durch das Lauschen an der Tür zum Lehrerzimmer, wie er sich in den Konferenzen für "seine Jungs" in´s Zeug gelegt hatte.

Später hat Egon Trapp dem LEH Burg Nordeck viele Jahre als Heim-und Schulleiter gedient. Wer weiß, ob wir ohne sein Tun überhaupt das 75jährige Jubiläum des Heims im Sommer 2001 hätten begehen können....

Im vergangenen Jahr habe ich meinen alten Familienvater, längst im wohlverdienten Ruhestand und dennoch nach wie vor ruhelos für sein Nordeck tätig, um Erlaubnis gebeten, die Egon-Trapp-Stiftung ins Leben rufen zu dürfen. Ich war lange der Auffassung, daß diesem Menschen und seinem Wirken ein klein wenig Öffentlichkeit gut anstehen könnte; dies als der eigentliche Grund für mein Vorgehen. Und ich war glücklich und auch ein bißchen stolz, als er nach einiger Zeit des Überdenkens sein Einverständnis gab.

Seit Beginn des Jahres 2001 wurden nunmehr unsere Bemühungen regierungspräsidial und damit höheren Ortes wohlwollend abgesegnet; auch das gestrenge Finanzamt hat zeitgleich seine Weihen erteilt.

Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle meinen Mitstreitern aus Vorstand und Stiftungsbeirat, die gemeinsam mit mir und der nicht zu vergessenen Heim- und Schulleitung an der Erreichung der Stiftungsziele arbeiten werden. Dabei uns allen ein gutes Gelingen!

Dr. Peter-Michael Schmidt

Hamburg, im September 2001